Tren­nung nach Part­ner­schafts­ge­walt

 ak­tua­li­siert am 31.01.24   von Ste­fa­nie Am­berg, Prof. Dr. Heinz Kind­ler, Dr. Ja­nin Zim­mer­mann    Ent­wick­lungs- und Fa­mi­li­en­psy­cho­lo­gie, Deut­sches Ju­gend­in­sti­tut und Lud­wig-Ma­xi­mi­lians-Uni­ver­si­tät Mün­chen

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Was ist Partnerschaftsgewalt?

Part­ner­schafts­ge­walt be­schreibt Ge­walt, die in be­ste­hen­den Be­zie­hun­gen oder zwi­schen ge­trenn­ten Paa­ren auf­tritt. Sie kann ver­schie­de­ne For­men an­neh­men:

 

  •  Kör­per­li­che Ge­walt (z.B. schla­gen, tre­ten, schub­sen)
  • Psy­chi­sche Ge­walt (z.B. de­mü­ti­gen, dro­hen, Kon­tak­te zu Freun­den und Ver­wand­ten ein­schrän­ken)
  • Se­xua­li­sier­te Ge­walt (z.B. Zwang zu se­xu­el­len Hand­lun­gen, Ver­ge­wal­ti­gung)
  • Fi­nan­zi­el­le/öko­no­mi­sche Ge­walt (z.B. Zu­gang zum ge­mein­sa­men Kon­to sper­ren, Zu­gang zum Haus­halt­sein­kom­men ver­weh­ren)
  • Stal­king (z.B. mit An­ru­fen ter­ro­ri­sie­ren, ver­fol­gen, Un­wahr­hei­ten über den an­de­ren ver­brei­ten, in die Pri­vat­sphä­re ein­drin­gen)
Offene Hand wehrt Faust ab.

Part­ner­schafts­ge­walt

Al­len For­men von Ge­walt ist ge­mein­sam, dass sie Gren­zen ver­let­zen, und dass das Er­lei­den von Ge­walt mit ne­ga­ti­ven Fol­gen für die kör­per­li­che und psy­chi­sche Ge­sund­heit (z. B. an­hal­ten­de Be­dro­hungs­ge­füh­le, Hilf­lo­sig­keits­ge­füh­le, Angst) ver­bun­den sein kann. Ge­wal­ter­fah­run­gen füh­ren häu­fig zu ei­nem be­deut­sa­men Ver­trau­ens­ver­lust zwi­schen den (Ex-)Part­nern. Zu­dem ist das Mit­er­le­ben von Part­ner­schafts­ge­walt für Kin­der in der Re­gel sehr be­las­tend.

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Mit ei­ner Tren­nung ist oft die Ab­sicht ver­bun­den, die Ge­wal­ter­fah­run­gen zu be­en­den. In vie­len Fäl­len setzt sich die Ge­walt nach der Tren­nung je­doch zu­nächst fort oder es­ka­liert so­gar. Bei ge­mein­sa­men Kin­dern muss nach ei­ner Tren­nung gut ab­ge­wo­gen wer­den, ob und in wel­cher Form Kon­tak­te der Kin­der zu ei­nem ge­waltaus­üben­den El­tern­teil statt­fin­den kön­nen, und ob ei­ne wei­te­re Zu­sam­men­ar­beit der El­tern zu­mut­bar und si­cher ist. Der Schutz des ge­walt­be­trof­fe­nen El­tern­teils und der Kin­der vor wei­te­ren Ge­wal­ter­fah­run­gen muss hier­bei im Vor­der­grund ste­hen. Gleich­zei­tig soll­ten aber auch mög­li­che Kon­takt­be­dürf­nis­se der Kin­der ge­gen­über ei­nem ge­waltaus­üben­den El­tern­teil be­rück­sich­tigt wer­den, so­weit dies mög­lich ist.

Wich­tig ist: Es gibt Mög­lich­kei­ten, um mit die­ser schwie­ri­gen Si­tua­ti­on um­zu­ge­hen und Hilfs­an­ge­bo­te zur Un­ter­stüt­zung. Wei­te­re In­for­ma­tio­nen da­zu fin­den Sie auf die­ser Sei­te.

Was bedeutet das Miterleben von Partnerschaftsgewalt für Kinder?

Fol­gen von Part­ner­schafts­ge­walt für Kin­der

Miterleben von Gewalt

Das Mit­er­le­ben von Ge­walt zwi­schen den El­tern kann für Kin­der schwer­wie­gen­de ne­ga­ti­ve Fol­gen ha­ben. Be­reits ei­ne ein­ma­li­ge Si­tua­ti­on, in der ein Kind sieht oder hört, wie ein El­tern­teil den an­de­ren schlägt oder Ge­walt an­droht, kann stark ver­un­si­chern. Glei­ches gilt, wenn Kin­der Fol­gen der Ge­walt (z.B. Ver­let­zun­gen) wahr­neh­men. Je häu­fi­ger Kin­der sol­che Si­tua­tio­nen mit­be­kom­men, je hef­ti­ger die Ge­walt ist und je mehr sie ein­ge­bet­tet ist in ein Mus­ter aus Kon­trol­le und De­mü­ti­gung, um­so wahr­schein­li­cher wirkt sich dies ne­ga­tiv auf die Ent­wick­lung und psy­chi­sche Ge­sund­heit von Kin­dern aus.

Eine Frau sitzt weinend im Wohnzimmer auf einem Sessel und hat die Hände vor ihr Gesicht geschlagen. Ihr Kind steht seitlich neben der Mutter, hat seinen Kopf auf ihre Schulter gelegt und eine Arm um sie geschlungen.

Kind trös­tet El­tern­teil

Hier se­hen Sie ei­ne Über­sicht zu den häu­figs­ten Fol­gen von mit­er­leb­ter Part­ner­schafts­ge­walt bei Kin­dern:

Kin­der, die Ge­walt zwi­schen ih­ren El­tern mit­er­le­ben muss­ten, zei­gen häu­fi­ger:

  • Emo­tio­na­le Pro­ble­me (z.B. an­hal­ten­de Nie­der­ge­schla­gen­heit, Ängs­te, so­zia­ler Rück­zug, Ver­lust von In­ter­es­sen)
  • Ver­hal­ten­spro­ble­me (z.B. star­ke Wut­aus­brü­che, ag­gres­si­ves Ver­hal­ten, Al­ko­hol- oder Dro­gen­kon­sum)
  • Psy­cho­so­ma­ti­sche Auf­fäl­lig­kei­ten (z.B. Schlaf­pro­ble­me, Ein­näs­sen, Kopf- oder Bauch­schmer­zen)

Das Mit­er­le­ben von Part­ner­schafts­ge­walt kann ne­ga­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf die Lern­be­reit­schaft, Merk­fä­hig­keit und Kon­zen­tra­ti­ons­fä­hig­keit von Kin­dern ha­ben. Dies kann Ent­wick­lungs­rück­stän­de (z.B. ver­lang­sam­te sprach­li­che oder ko­gni­ti­ve Ent­wick­lung) und Schul­schwie­rig­kei­ten zur Fol­ge ha­ben.

Nach mit­er­leb­ter Part­ner­schafts­ge­walt ent­wi­ckeln man­che Kin­der ei­ne post­trau­ma­ti­sche Be­las­tungs­stö­rung (PTBS). Ei­ne PTBS kann sich bei Kin­dern z.B. dar­in äu­ßern, ...

  • dass sie die be­ängs­ti­gen­den Si­tua­tio­nen in­ner­lich im­mer wie­der durch­le­ben. Das heißt, dass sie z.B. leb­haf­te Er­in­ne­run­gen ha­ben, die sie nicht kon­trol­lie­ren kön­nen, sie un­ter Alb­träu­men lei­den oder in Si­tua­tio­nen, die sie an das be­las­ten­de Er­eig­nis er­in­nern, star­ke Stress­re­ak­tio­nen zei­gen.
  • dass Kin­der star­kes Ver­mei­dungs­ver­hal­ten zei­gen, um ne­ga­ti­ve Er­fah­run­gen und un­kon­trol­lier­te Er­in­ne­run­gen zu ver­hin­dern. Das heißt, dass sie sich z.B. stän­dig al­lein in ihr Zim­mer zu­rück­zie­hen, sich bei ih­ren Be­zugs­per­so­nen an­klam­mern oder sich nicht mehr von ih­nen tren­nen wol­len.
  • dass Kin­der über­mä­ßig er­regt, ängst­lich und an­ge­spannt sind. Das heißt, dass sie z.B. auf ein­mal sehr schreck­haft, wach­sam oder sehr reiz­bar sind, star­ke Stim­mungs­schwan­kun­gen zei­gen oder un­ter Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­men bzw. Schlaf­pro­ble­men lei­den.

Mit­er­leb­te Part­ner­schafts­ge­walt kann sich ne­ga­tiv auf die Be­zie­hun­gen von Kin­dern zu ih­ren El­tern aus­wir­ken. Vor al­lem das Ver­trau­ens­ver­hält­nis zu dem El­tern­teil, der Ge­walt aus­ge­übt hat, wird oft stark er­schüt­tert. Man­che Kin­der emp­fin­den große Wut oder so­gar Hass auf den El­tern­teil. An­de­re Kin­der ent­wi­ckeln Angst vor dem El­tern­teil.

Nicht sel­ten kommt es auch zu Ver­un­si­che­run­gen in der Be­zie­hung der Kin­der zu dem El­tern­teil, der Ge­walt er­fah­ren hat. Man­che Kin­der trau­en sich z.B. nicht mehr, sich bei Kum­mer und bei Pro­ble­men an den El­tern­teil zu wen­den, weil sie ihn nicht zu­sätz­lich be­las­ten wol­len, son­dern zie­hen sich eher zu­rück und ver­schlie­ßen sich.

Kin­der ori­en­tie­ren sich an Ver­hal­tens­wei­sen, die sie bei ih­ren El­tern be­ob­ach­ten. Man­che Kin­der über­neh­men Ge­walt als Stra­te­gie, um Kon­flik­te mit Gleich­alt­ri­gen zu lö­sen. Zu­dem ha­ben Kin­der, die Ge­walt mit­er­lebt ha­ben, häu­fi­ger Schwie­rig­kei­ten, Ge­füh­le wie Är­ger und Wut an­ge­mes­sen aus­zu­drücken und da­mit um­zu­ge­hen. Dies kann be­ein­flus­sen, wie sie sich in so­zia­len Be­zie­hun­gen ver­hal­ten. Bei­spiels­wei­se ha­ben sie häu­fi­ger Schwie­rig­kei­ten beim Auf­bau von Freund­schaf­ten mit Gleich­alt­ri­gen. Ers­te Lie­bes­be­zie­hun­gen im Ju­gend­al­ter ver­lau­fen kon­flikt­haf­ter und im Er­wach­se­nen­al­ter ha­ben sie ein er­höh­tes Ri­si­ko, ent­we­der selbst in Part­ner­schaf­ten Ge­walt an­zu­wen­den oder Ge­walt zu er­fah­ren.

El­tern-Tipp

Wenn Sie ent­spre­chen­de Auf­fäl­lig­kei­ten bei Ih­rem Kind be­mer­ken, su­chen Sie mög­lichst früh­zei­tig fach­li­che Un­ter­stüt­zung!

Wie kön­nen Kin­der un­ter­stützt wer­den, die Part­ner­schafts­ge­walt mit­er­lebt ha­ben?

 

Es gibt ver­schie­de­ne Mög­lich­kei­ten, wie Kin­der nach dem Mit­er­le­ben von Part­ner­schafts­ge­walt un­ter­stützt wer­den kön­nen:

 

Der wich­tigs­te Schritt ist, al­les zu tun, um Kin­der vor wei­te­ren Ge­wal­ter­fah­run­gen zu schüt­zen. Für ei­ne ge­sun­de Ent­wick­lung brau­chen Kin­der po­si­ti­ve Be­zie­hun­gen zu ih­ren Be­zugs­per­so­nen, in de­nen sie sich si­cher und ge­bor­gen füh­len. Was Sie hier­für tun kön­nen, er­fah­ren Sie wei­ter un­ten auf der Sei­te.

Wenn es in der Fa­mi­lie zu Ge­walt ge­kom­men ist, ist es wich­tig, dass El­tern mit ih­ren Kin­dern dar­über spre­chen. Wenn El­tern so tun, al­so ob nichts pas­siert ist, wer­den Kin­der mit der Si­tua­ti­on al­lein ge­las­sen und be­kom­men das Ge­fühl ver­mit­telt, über für sie wich­ti­ge Er­leb­nis­se nicht spre­chen zu dür­fen. Oft ha­ben El­tern je­doch Hem­mun­gen, mit ih­ren Kin­dern über die Si­tua­ti­on zu spre­chen, z.B. aus Scham, weil sie ih­re Kin­der nicht be­las­ten wol­len oder selbst mit der Si­tua­ti­on über­for­dert sind. Fach­li­che Un­ter­stüt­zung kann da­bei hel­fen, die rich­ti­gen Wor­te zu fin­den.

Ge­wal­ter­fah­run­gen sind für Kin­der meist sehr ver­un­si­chernd. Häu­fig wis­sen Kin­der auch nicht, was die­se Er­fah­run­gen für die Be­zie­hun­gen mit ih­ren El­tern be­deu­ten. Man­che fra­gen sich, ob sie den ge­waltaus­üben­den El­tern­teil jetzt ei­gent­lich noch lieb­ha­ben dür­fen, oder ob sie Angst um den an­de­ren El­tern­teil ha­ben müs­sen. Ei­ni­ge Kin­der füh­len sich schul­dig und den­ken z. B.: „Ma­ma war sau­er auf Pa­pa, weil ich nicht auf­ge­räumt ha­be“ oder „ich hät­te die Ma­ma bes­ser be­schüt­zen müs­sen“.

Kin­der soll­ten mit ih­ren Ängs­ten und Fra­gen nicht al­lein ge­las­sen wer­den. Ver­si­chern Sie Ih­ren Kin­dern, dass sie für das, was pas­siert ist, nicht ver­ant­wort­lich sind. Bie­ten Sie Trost an und ver­su­chen Sie, of­fen für die Fra­gen Ih­rer Kin­der zu sein, und auf die­se ein­zu­ge­hen. Bei­de El­tern­tei­le soll­ten den Kin­dern er­klä­ren, was sie tun, um wei­te­re Ge­walt zu ver­hin­dern. Mit Kin­dern in die­ser Wei­se über Ge­walt zu spre­chen, die sich er­eig­net hat, ist not­wen­dig und ver­letzt da­her nicht die Wohlverhaltenspflicht nach § 1684 Ab­satz 2 BGB .

Manch­mal sind El­tern für ein sol­ches Ge­spräch selbst noch zu be­las­tet oder die Kin­der leh­nen ein Ge­spräch ab. Es kann in die­sen Si­tua­tio­nen hilf­reich sein, wenn Kin­der die Mög­lich­keit be­kom­men, mit Per­so­nen au­ßer­halb der Fa­mi­lie zu spre­chen (z.B. an­de­re Ver­wand­te, die Ver­trau­ens­lehr­kraft, ei­ne Fach­kraft im Ju­gend­amt oder ei­ner Be­ra­tungs­stel­le). Sie kön­nen Ihr Kind un­ter­stüt­zen, in­dem Sie den Kon­takt her­stel­len.

Es gibt ver­schie­de­ne Un­ter­stüt­zungs­an­ge­bo­te für Kin­der, die Ge­walt in der Fa­mi­lie er­lebt ha­ben:
Kin­der­grup­pen

Hier kön­nen Kin­der ler­nen, ih­re Ge­füh­le krea­tiv aus­zu­drücken, und hö­ren zu­sam­men mit an­de­ren be­trof­fe­nen Kin­dern, wie sie mit ih­ren Er­fah­run­gen um­ge­hen kön­nen. Dies kann ent­las­tend wir­ken und die Kin­der stär­ken.

Psy­cho­the­ra­pie

Auf­fäl­lig­kei­ten und Be­las­tungs­an­zei­chen nach mit­er­leb­ter Part­ner­schafts­ge­walt kön­nen in je­dem Al­ter auf­tre­ten, auch schon bei Säug­lin­gen und Klein­kin­dern. Wenn Sie Be­las­tungs­an­zei­chen bei Ih­rem Kind wahr­neh­men, ist es rat­sam, früh­zei­tig fach­li­che Hil­fe in An­spruch zu neh­men, um ab­zu­klä­ren, ob Ihr Kind psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Un­ter­stüt­zung braucht.

För­de­rung der Ent­wick­lung

Wenn Kin­der Rück­stän­de in der Ent­wick­lung, Pro­ble­me in der Schu­le oder Schwie­rig­kei­ten im Um­gang mit Gleich­alt­ri­gen zei­gen, kön­nen be­stimm­te För­der­an­ge­bo­te hilf­reich sein, wie z.B. heil­päd­ago­gi­sche An­ge­bo­te, An­ge­bo­te zur För­de­rung der sprach­li­chen Ent­wick­lung (Lo­go­pä­die), Grup­pen­an­ge­bo­te zur För­de­rung von so­zia­len Kom­pe­ten­zen oder die Ein­bin­dung der Kin­der in Frei­zeitak­ti­vi­tä­ten, et­wa in ei­nem Fa­mi­li­en­zen­trum oder einen Sport­ver­ein.

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Was kann ich tun, wenn ich Gewalt durch den anderen Elternteil erlebt habe?

Mann hält sich beide Hände an den Kopf. Über den Kopf sind Punkte und Blitze zu sehen, die Belastung darstellen.

Belastung durch Gewalt

Er­fah­run­gen von kör­per­li­cher Ge­walt, Be­dro­hung und De­mü­ti­gung sind ver­let­zend und be­ängs­ti­gend. Fra­gen und Un­si­cher­hei­ten so­wie ein Wunsch nach Bei­stand und Un­ter­stüt­zung sind in die­ser Si­tua­ti­on nor­mal und an­ge­mes­sen. Im Fol­gen­den fin­den Sie Ant­wor­ten auf Fra­gen, die sich be­trof­fe­ne El­tern in der Si­tua­ti­on häu­fig stel­len. Art und Aus­maß der Ge­walt, das Ri­si­ko er­neu­ter Ge­walt, das Aus­maß der Be­las­tung von Be­trof­fe­nen und die Be­dürf­nis­se von El­tern und Kin­dern un­ter­schei­den sich von Fa­mi­lie zu Fa­mi­lie al­ler­dings sehr stark. Die­se Sei­te kann nur all­ge­mei­ne Emp­feh­lun­gen ge­ben, wor­auf Sie ach­ten kön­nen, was mög­li­che Lö­sun­gen sind und wo Sie Hil­fe fin­den. Für die kon­kre­te Ein­schät­zung Ih­rer Si­tua­ti­on soll­ten Sie sich fach­li­che Un­ter­stüt­zung su­chen.

Frau hat Kind im Arm und schaut ängstlich auf eine von der Seite kommende Faust. Sie hebt abwehrend die andere Hand, um das Kind zu schützen.

Schutz vor Gewalt

Part­ner­schafts­ge­walt en­det nicht im­mer mit der Tren­nung. Vor al­lem, wenn es vor der Tren­nung über einen län­ge­ren Zeit­raum wie­der­holt zu Ge­walt durch den an­de­ren El­tern­teil ge­kom­men ist, kann ein be­deut­sa­mes Ri­si­ko für die Fort­set­zung von Part­ner­schafts­ge­walt be­ste­hen. Ins­be­son­de­re wäh­rend der Tren­nungs­pha­se kann es zu ei­ner Es­ka­la­ti­on der Ge­walt kom­men. Zu­dem kann auch ein er­höh­tes Ri­si­ko be­ste­hen, dass der an­de­re El­tern­teil Ge­walt ge­gen­über den Kin­dern aus­übt.

Dies soll­te al­ler­dings kein Grund sein, in ei­ner ge­walt­tä­ti­gen Be­zie­hung zu ver­blei­ben. Es gibt spe­zia­li­sier­te Be­ra­tungs­stel­len, an die Sie sich wen­den kön­nen, wenn Sie mit er­neu­ter Ge­walt rech­nen oder un­si­cher sind, wie Sie das Ri­si­ko für sich und Ih­re Kin­der ein­schät­zen sol­len. Sie er­hal­ten dort In­for­ma­tio­nen, wie Sie sich und Ih­re Kin­der am bes­ten schüt­zen kön­nen. Scheu­en Sie sich nicht, sich Hil­fe zu ho­len!

  • Es gibt kos­ten­freie, auf das The­ma Ge­walt spe­zia­li­sier­te Be­ra­tungs­stel­len, Hil­fe-Te­le­fo­ne und On­li­ne-Be­ra­tungs­an­ge­bo­te. Die­se Stel­len kön­nen Sie da­zu be­ra­ten, was in Ih­rer Si­tua­ti­on hel­fen kann, um wei­te­re Ge­walt zu ver­hin­dern.
  • Frau­en, die von hä­us­li­cher Ge­walt be­droht sind, kön­nen ge­mein­sam mit ih­ren Kin­dern vor­über­ge­hend Schutz in ei­nem Frau­en­haus su­chen. Vie­le Frau­en­häu­ser be­tei­li­gen die Frau­en zu ei­nem ge­wis­sen Um­fang an den Kos­ten der Un­ter­brin­gung. Wenn Frau­en die Mit­tel nicht auf­brin­gen kön­nen, kann ei­ne Über­nah­me der Kos­ten über das So­zi­al­amt er­mög­licht wer­den.
  • Zu­dem kön­nen sich Be­trof­fe­ne an das Fa­mi­li­en­ge­richt wen­den, um Schutz­an­ord­nun­gen wie ein Nä­he­rungs- und Kon­takt­ver­bot zu be­an­tra­gen.
  • Bei ei­ner aku­ten Be­dro­hung soll­ten Sie sich mit dem Not­ruf 110 an die Po­li­zei wen­den.

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Falls Sie auf­grund von Ge­walt ge­mein­sam mit Ih­ren Kin­dern von zu Hau­se aus­ge­zo­gen sind, oh­ne dies vor­her mit dem an­de­ren El­tern­teil ab­ge­stimmt zu ha­ben, soll­ten Sie um­ge­hend Kon­takt mit dem Ju­gend­amt auf­neh­men. Dies ist wich­tig, da der an­de­re El­tern­teil ei­nem Wohn­ort­wech­sel zu­stim­men muss, wenn Sie das ge­mein­sa­me Sor­ge­recht für Ih­re Kin­der ha­ben. Stimmt der an­de­re El­tern­teil ei­nem Auf­ent­halt der Kin­der bei Ih­nen nicht zu, kön­nen Sie zur Re­ge­lung des Le­bens­mit­tel­punkts der Kin­der beim Fa­mi­li­en­ge­richt einen An­trag auf Über­tra­gung des Auf­ent­halts­be­stim­mungs­rechts auf sich stel­len.

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Im Be­reich „Tren­nung recht­lich durch­den­ken“ fin­den Sie wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum Auf­ent­halts­be­stim­mungs­recht und wann die­ses Recht auf einen El­tern­teil über­tra­gen wer­den kann.

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Wenn bei ei­nem Ge­walt­vor­fall (ob vor, wäh­rend oder nach der Tren­nung) die Po­li­zei ver­stän­digt wur­de, kann sie den ge­waltaus­üben­den El­tern­teil aus der Woh­nung wei­sen, ein Rück­kehr­ver­bot aus­spre­chen oder ihn in Ge­wahr­sam neh­men. Zu­dem wird von der Po­li­zei bei An­we­sen­heit von Kin­dern in der Re­gel auch das Ju­gend­amt in­for­miert, da­mit es Maß­nah­men er­grei­fen kann, um den Schutz der Kin­der si­cher­zu­stel­len. Die­se Maß­nah­men um­fas­sen vor al­lem Be­ra­tungs­an­ge­bo­te oder be­glei­te­te Um­gangs­kon­tak­te. In Not­fäl­len sind auch vor­über­ge­hen­de Fremd­un­ter­brin­gun­gen zum Schutz von Kin­dern an­ge­mes­sen.

Vie­le El­tern­tei­le, die in der Ver­gan­gen­heit Ge­walt durch den an­de­ren El­tern­teil er­fah­ren muss­ten, wol­len die­sem nach der Tren­nung am liebs­ten nie wie­der be­geg­nen. Manch­mal trifft dies auch auf die Kin­der zu. Man­che Kin­der ha­ben al­ler­dings, trotz der ne­ga­ti­ven Er­fah­run­gen, ei­ne grund­le­gend po­si­ti­ve Be­zie­hung zum an­de­ren El­tern­teil, ver­mis­sen die­sen und wün­schen sich wei­ter­hin Kon­tak­te. Hier ist es wich­tig, ne­ben den Wün­schen und Be­dürf­nis­sen der Kin­der auch den Schutz der Kin­der im Blick zu ha­ben.

Manch­mal be­ste­hen (wei­ter­hin) ernst­zu­neh­men­de Zwei­fel, ob es den Kin­dern beim an­de­ren El­tern­teil gut geht. Wenn Sie die Be­fürch­tung ha­ben, dass der an­de­re El­tern­teil bei Über­ga­ben oder Kon­tak­ten Ih­nen oder den Kin­dern ge­gen­über Ge­walt aus­üben könn­te, soll­ten Sie sich un­be­dingt mit dem Ju­gend­amt in Ver­bin­dung setz­ten und sich be­ra­ten las­sen, wie Ihr ei­ge­ner Schutz und der Schutz der Kin­der si­cher­ge­stellt wer­den kann. In man­chen Fäl­len kann es sinn­voll und not­wen­dig sein, dass Kon­tak­te oder Über­ga­ben für ei­ne ge­wis­se Zeit nur be­glei­tet statt­fin­den oder Kon­tak­te so­gar für ei­ne ge­wis­se Zeit ganz aus­ge­schlos­sen wer­den.

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Im Be­reich „Tren­nung recht­lich durch­den­ken“ fin­den Sie zu­dem wich­ti­ge In­for­ma­tio­nen zum Um­gangs­recht und un­ter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen ei­ne Be­schrän­kung oder ein Aus­schluss des Um­gangs mög­lich ist.

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Er­fah­run­gen von kör­per­li­cher Ge­walt, Dro­hun­gen oder mas­si­ven Be­schimp­fun­gen kön­nen da­zu füh­ren, dass man Angst hat, nach der Tren­nung mit dem an­de­ren El­tern­teil zu­sam­men­zu­tref­fen oder die ei­ge­ne Mei­nung ge­gen­über dem an­de­ren El­tern­teil zu ver­tre­ten, wenn es um Ent­schei­dun­gen geht, die die Kin­der be­tref­fen. Auch kann der Wunsch ent­ste­hen, mit dem an­de­ren El­tern­teil ein­fach nichts mehr zu tun zu ha­ben. Sol­che Re­ak­tio­nen sind völ­lig ver­ständ­lich.

Wich­tig: Ein El­tern­teil, der Ge­walt aus­übt, macht ei­ne Zu­sam­men­ar­beit un­mög­lich, nicht der­je­ni­ge der zu Recht auf Schutz für sich selbst bzw. die Kin­der be­steht. Es liegt in der Ver­ant­wor­tung des El­tern­teils, der in der Ver­gan­gen­heit Ge­walt aus­ge­übt hat, ernst­haft zu zei­gen, dass ei­ne po­si­ti­ve Ver­än­de­rung ein­ge­tre­ten ist.

El­tern-Tipp

Sor­gen Sie für sich selbst und zö­gern Sie nicht, sich Un­ter­stüt­zung zu su­chen, um das Er­leb­te zu ver­ar­bei­ten.

Die Wün­sche und Be­dürf­nis­se der Kin­der kön­nen sich von de­nen ih­rer El­tern aber un­ter­schei­den. Man­che Kin­der wün­schen sich nach der Tren­nung wei­ter­hin Kon­takt zu bei­den El­tern­tei­len, auch wenn sie Part­ner­schafts­ge­walt mit­er­lebt ha­ben. Un­ter der Vor­aus­set­zung, dass für Si­cher­heit ge­sorgt wer­den kann und ei­ne po­si­ti­ve Be­zie­hung zwi­schen dem Kind und dem El­tern­teil be­steht, kön­nen sol­che Kon­tak­te für Kin­der be­deut­sam sein und sich po­si­tiv auf ihr Wohl­be­fin­den aus­wir­ken.

Um Kon­tak­te für die Kin­der um­zu­set­zen, sind man­che von Ge­walt be­trof­fe­ne El­tern­tei­le zu ei­ner ge­wis­sen Zu­sam­men­ar­beit mit dem an­de­ren El­tern­teil be­reit. Manch­mal ist dies auf­grund der Vor­ge­schich­te ein­fach nicht mög­lich oder zu­min­dest sehr schwie­rig. Manch­mal kön­nen auch mit fach­li­cher Hil­fe gu­te Lö­sun­gen ge­fun­den wer­den. Fach­li­che Hil­fe ist oft er­for­der­lich, um schwie­ri­ge Fra­gen zu Si­cher­heit, ge­walt­be­ding­ter Be­las­tung und not­wen­di­gen Ver­än­de­rungs­schrit­ten des ge­waltaus­üben­den El­tern­teils zu be­spre­chen. Be­ra­tungs­stel­len kön­nen bei der Er­ar­bei­tung ei­ner schrift­li­chen Ver­ein­ba­rung hilf­reich sein. Teil­wei­se wird aber auch die Ver­bind­lich­keit ei­nes fa­mi­li­en­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens be­nö­tigt. Las­sen Sie sich am bes­ten be­ra­ten, wel­che Mög­lich­kei­ten es in Ih­rer Si­tua­ti­on gibt.

Sie möch­ten Tipps für mög­li­che An­lauf­stel­len?

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Rundes Icon, das für den Inhaltsbereich "Trennung rechtlich durchdenken" steht. Gezeigt werden ein Mann und seine Tochter im Schulalter, die nah beieinander stehend auf ein Waage- und ein Paragraphensymbol blicken.

Im Be­reich „Tren­nung recht­lich durch­den­ken“ fin­den Sie wei­te­re In­for­ma­tio­nen zum The­ma schrift­li­che Ver­ein­ba­run­gen mit dem an­de­ren El­tern­teil so­wie Vor­la­gen zum Aus­fül­len.

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Ge­wal­ter­fah­run­gen kön­nen sehr be­las­tend und ver­un­si­chernd sein. Vie­le Be­trof­fe­ne ent­wi­ckeln auf­grund der Er­fah­run­gen Be­las­tungs­an­zei­chen und psy­chi­sche Pro­ble­me. Die häu­figs­ten Fol­gen sind...

  • de­pres­si­ve Sym­pto­me (An­zei­chen sind z.B. an­hal­ten­de Nie­der­ge­schla­gen­heit, In­ter­es­sens­ver­lust, An­triebs­lo­sig­keit, Schlaf- oder Kon­zen­tra­ti­ons­pro­ble­me, Sui­zid­ge­dan­ken),
  • Angst­stö­run­gen (An­zei­chen sind z.B. über­mä­ßi­ge, dau­er­haf­te Ängs­te und Sor­gen, Ner­vo­si­tät),
  • post­trau­ma­ti­sche Be­las­tungs­re­ak­tio­nen (An­zei­chen sind z.B. sich auf­drän­gen­de Er­in­ne­run­gen oder Alb­träu­me, Be­mü­hun­gen, Er­in­ne­run­gen an das Er­leb­te zu ver­mei­den, an­hal­ten­de ne­ga­ti­ve Ge­fühls­zu­stän­de wie Wut, Scham und Angst, ver­mehr­te Schreck­haf­tig­keit und Reiz­bar­keit) und
  • psy­cho­so­ma­ti­sche Pro­ble­me (z.B. chro­ni­sche Schmer­zen, Ver­dau­ungs­stö­run­gen, Schlaf­pro­ble­me).

Sol­che Be­las­tungs­re­ak­tio­nen kön­nen die Le­bens­qua­li­tät er­heb­lich ein­schrän­ken und die Be­wäl­ti­gung des All­tags mit den Kin­dern kann zu­neh­mend zur Her­aus­for­de­rung wer­den. Scheu­en Sie sich nicht, Hil­fe in An­spruch zu neh­men, um die be­las­ten­den Er­fah­run­gen zu ver­ar­bei­ten!

 

In vie­len Städ­ten und Ge­mein­den gibt es (Grup­pen-)An­ge­bo­te für Op­fer von Part­ner­schafts­ge­walt. Dort kön­nen Be­trof­fe­ne of­fen über ih­re Er­fah­run­gen spre­chen, sich ggf. un­ter­ein­an­der aus­tau­schen und sich ge­gen­sei­tig un­ter­stüt­zen. Dies kann hel­fen, das Er­leb­te zu ver­ar­bei­ten und wie­der Stär­ke und Selbst­si­cher­heit zu­rück­zu­ge­win­nen. Bei star­ken Be­las­tungs­re­ak­tio­nen und psy­chi­schen Pro­ble­men (s. Fra­ge zu­vor), kann es zu­dem wich­tig sein, psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Hil­fe in An­spruch zu neh­men, um die be­las­ten­den Er­fah­run­gen zu ver­ar­bei­ten.

Sie möch­ten sich über Be­ra­tungs­an­ge­bo­te bei Ge­walt oder psy­cho­the­ra­peu­ti­sche Hil­fe in­for­mie­ren?

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Was kann ich tun, wenn ich Gewalt gegenüber dem anderen Elternteil ausgeübt habe?

Bild, das einen Mann mit Fragen darstellt. Gezeigt wird ein junger Mann, der in einem Fragezeichensymbol sitzt.

Ratsuchender

Ha­ben Sie wäh­rend der Be­zie­hung oder im Zu­ge der Tren­nung im Streit (wie­der­holt) die Kon­trol­le ver­lo­ren und aus Wut Sa­chen des an­de­ren El­tern­teils zer­stört, ihn hef­tig be­schimpft, ihm Ge­walt an­ge­droht oder ihn so­gar ver­letzt? Mög­li­cher­wei­se war die Ge­walt so­gar der Grund, warum der an­de­re El­tern­teil sich von Ih­nen ge­trennt hat. Viel­leicht wol­len der an­de­re El­tern­teil oder die Kin­der des­halb ge­ra­de auch nicht, dass Sie die Kin­der se­hen. Wenn dies der Fall ist, ist die­se Si­tua­ti­on für Sie si­cher­lich sehr schmerz­lich und Sie fra­gen sich wahr­schein­lich, wie es da­zu kom­men konn­te und was Sie jetzt tun kön­nen. Im Fol­gen­den fin­den Sie ei­ni­ge ers­te Emp­feh­lun­gen.

Ratlose Frau. Junge Frau mit Fragezeichensymbol im Hintergrund.

Rat­su­chen­de

1

Ver­ständ­nis für die Re­ak­tio­nen der Kin­der und des an­de­ren El­tern­teils auf­brin­gen

 

Ge­wal­ter­fah­run­gen füh­ren oft da­zu, dass das Ver­trau­ens­ver­hält­nis der an­de­ren Fa­mi­li­en­mit­glie­der mas­siv er­schüt­tert wird. Vie­le Be­trof­fe­ne ent­wi­ckeln die - lei­der oft auch be­rech­tig­te - Er­war­tung, dass es in Kon­flikt­si­tua­tio­nen er­neut es­ka­lie­ren könn­te und fra­gen sich, wie groß die Ge­fahr er­neu­ter Ge­walt ist. Nach der Tren­nung wol­len vie­le Be­trof­fe­ne dem an­de­ren El­tern­teil des­halb mög­lichst aus dem Weg ge­hen und ste­hen auch Kon­tak­ten mit den Kin­dern häu­fig kri­tisch ge­gen­über. Zu­dem kann das Mit­er­le­ben von Part­ner­schafts­ge­walt da­zu füh­ren, dass auch die Kin­der den El­tern­teil, der Ge­walt aus­ge­übt hat, zeit­wei­se nicht se­hen wol­len, da sie sehr wü­tend auf ihn sind, ihm Vor­wür­fe ma­chen, oder sie tat­säch­lich Angst ha­ben, dass er ih­nen oder dem an­de­ren El­tern­teil et­was an­tun könn­te.

El­tern-Tipp

Um an der Si­tua­ti­on et­was zu än­dern, ist es zu­nächst wich­tig, sich in die La­ge Ih­rer Kin­der und des an­de­ren El­tern­teils hin­ein­zu­ver­set­zen, um für ih­re Re­ak­tio­nen Ver­ständ­nis auf­zu­brin­gen.

2

Ver­ant­wor­tung für das ei­ge­ne Ver­hal­ten über­neh­men

 

Wenn man in ei­ner Part­ner­schaft Ge­walt aus­ge­übt hat, ist es manch­mal so, dass es aus der ei­ge­nen Sicht Grün­de für den Ge­walt­aus­bruch gab, weil man sich z.B. un­ge­recht be­han­delt oder pro­vo­ziert ge­fühlt hat. Manch­mal ha­ben viel­leicht auch Stress oder Al­ko­hol ei­ne Rol­le da­bei ge­spielt, dass man im Kon­flikt die Kon­trol­le ver­lo­ren hat. Trotz­dem sind Sie für Ih­re Hand­lun­gen selbst ver­ant­wort­lich. Ge­walt lässt sich nicht durch die Ver­hal­tens­wei­sen des an­de­ren oder die Um­stän­de recht­fer­ti­gen und stellt im­mer ei­ne Ver­let­zung der Gren­zen des an­de­ren dar.

El­tern-Tipp

Wenn Sie sich ei­ne po­si­ti­ve Be­zie­hung zu Ih­ren Kin­dern wün­schen, muss klar sein, dass Ge­walt ab­so­lut ta­bu ist. Für ei­ne po­si­ti­ve Ver­än­de­rung ist es not­wen­dig, dass Sie sich mit Ih­rem Ver­hal­ten kri­tisch aus­ein­an­der­set­zen und da­für Ver­ant­wor­tung über­neh­men, statt es mit Ver­hal­tens­wei­sen des an­de­ren El­tern­teils zu ent­schul­di­gen.

3

Das ei­ge­ne Ver­hal­ten än­dern

Es liegt in Ih­rer Ver­ant­wor­tung, sich mit Ih­rem Ver­hal­ten aus­ein­an­der­zu­set­zen und das zer­stör­te Ver­trau­ens­ver­hält­nis zu den Kin­dern und dem an­de­ren El­tern­teil wie­der­auf­zu­bau­en, am bes­ten mit pro­fes­sio­nel­ler Un­ter­stüt­zung.

Möch­ten Sie ver­hin­dern, dass Ih­re Kin­der er­neut Ge­walt mit­er­le­ben und We­ge fin­den, wie Sie Kon­flik­te in Zu­kunft fried­lich lö­sen kön­nen? Dann kann es sinn­voll sein, Be­ra­tung in An­spruch zu neh­men. Es gibt spe­zi­el­le Be­ra­tungs­an­ge­bo­te und Pro­gram­me für Per­so­nen, die Ge­walt in Part­ner­schaf­ten aus­ge­übt ha­ben. Dort lernt man, bes­ser zu ver­ste­hen, warum und in wel­chen Si­tua­tio­nen es zu Ge­walt ge­kom­men ist. Zu­dem wer­den Mög­lich­kei­ten be­spro­chen oder ein­ge­übt, wie man mit Kon­flik­ten bes­ser um­ge­hen kann und was man tun kann, wenn man wü­tend wird.

Sie möch­ten sich über Be­ra­tungs­an­ge­bo­te für Tä­te­rin­nen und Tä­ter in­for­mie­ren?

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Al­ko­hol- und Dro­gen­kon­sum so­wie psy­chi­sche Pro­ble­me kön­nen da­zu bei­tra­gen, dass man in Be­las­tungs­si­tua­tio­nen schnel­ler ag­gres­siv rea­giert. Mög­li­cher­wei­se hat dies auch bei Ih­nen ei­ne Rol­le ge­spielt. Wenn Sie Ihr Ver­hal­ten nach­hal­tig än­dern wol­len, soll­ten Sie Hil­fe in An­spruch neh­men, um die­se Pro­ble­me zu be­ar­bei­ten, z.B. in Form von Sucht­be­ra­tung oder Psy­cho­the­ra­pie.

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4

Das Ver­trau­en lang­sam im Rah­men von (be­glei­te­ten) Kon­tak­ten wie­der­auf­bau­en

Vor­aus­set­zun­gen für po­si­ti­ve Um­gangs­kon­tak­te

Wich­ti­ge Vor­aus­set­zun­gen da­für, dass Kin­der Um­gangs­kon­tak­te po­si­tiv er­le­ben, wer­den Auf der Sei­te Kon­tak­te und Über­ga­ben ge­stal­ten be­schrie­ben. Die wich­tigs­ten Vor­aus­set­zun­gen fin­den Sie hier kurz zu­sam­men­ge­fasst:

  • Po­si­ti­ve El­tern-Kind-Be­zie­hung

d.h., dass es El­tern ge­lingt, die ge­mein­sa­me Zeit po­si­tiv für die Kin­der zu ge­stal­ten und auf die Be­dürf­nis­se ih­rer Kin­der ein­zu­ge­hen, so dass die Kin­der ger­ne Zeit mit dem El­tern­teil ver­brin­gen

  • El­ter­li­che Ko­ope­ra­ti­on

d.h. dass es den El­tern ge­lingt, die Kin­der aus den el­ter­li­chen Kon­flik­ten her­aus­zu­hal­ten, und ein Min­dest­maß an Zu­sam­men­ar­beit mit dem an­de­ren El­tern­teil zu er­mög­li­chen.

  • Un­ter­stüt­zung der Kon­tak­te durch den an­de­ren El­tern­teil

d.h., dass die El­tern die Be­zie­hung und den Kon­takt zum je­weils an­de­ren El­tern­teil för­dern und un­ter­stüt­zen kön­nen, wo­für al­ler­dings ein Min­dest­maß an Ver­trau­en in den an­de­ren El­tern­teil er­for­der­lich ist.

Ei­ne oder meh­re­re die­ser Be­din­gun­gen sind nach Part­ner­schafts­ge­walt je­doch häu­fig nicht ge­ge­ben. Kon­takt­re­ge­lun­gen kön­nen des­halb oft nicht oh­ne Wei­te­res um­ge­setzt wer­den. Um wie­der Ver­trau­en auf­zu­bau­en, ist es wich­tig, den Kin­dern und dem an­de­ren El­tern­teil zu zei­gen, dass man einen Feh­ler ge­macht hat und an sich ar­bei­tet, um et­was zu ver­än­dern. Rei­ne Zu­si­che­run­gen sind hier in der Re­gel nicht aus­rei­chend, son­dern es braucht Zeit und sicht­ba­re Ver­än­de­run­gen. Um lang­fris­tig als El­tern wie­der ins Ge­spräch mit­ein­an­der zu kom­men, kann es hilf­reich sein, El­tern­ge­sprä­che in ei­ner Be­ra­tungs­stel­le in An­spruch zu neh­men, bei de­nen ei­ne neu­tra­le Fach­kraft zwi­schen den El­tern ver­mit­teln und einen sach­li­chen Aus­tausch un­ter­stüt­zen kann. Dies kann auch erst ein­mal in Form von Ein­zel­ge­sprä­chen mit je­dem El­tern­teil er­fol­gen.

Wei­ter kann es sinn­voll und not­wen­dig sein, dass die Kon­tak­te mit den Kin­dern für ei­ne ge­wis­se Zeit von ei­ner Fach­kraft be­glei­tet wer­den. Dies kann den Kin­dern und dem an­de­ren El­tern­teil vor­erst die not­wen­di­ge Si­cher­heit ge­ben, um sich auf die Kon­tak­te ein­zu­las­sen. Die be­glei­te­ten Kon­tak­te kön­nen Kin­dern hel­fen, schritt­wei­se wie­der Ver­trau­en und ei­ne po­si­ti­ve Be­zie­hung auf­zu­bau­en. Zu­dem kann ver­hin­dert wer­den, dass es bei Über­ga­ben zu Kon­flik­ten zwi­schen den El­tern vor den Kin­dern kommt.

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Al­ler­dings ist ein be­glei­te­ter Um­gang nicht für je­de Si­tua­ti­on ge­eig­net. Manch­mal sind Kin­der oder ein El­tern­teil durch die Ge­wal­ter­fah­run­gen so be­las­tet, dass ih­re Si­cher­heit und Sta­bi­li­sie­rung erst ein­mal im Vor­der­grund ste­hen müs­sen. Auch wenn es si­cher schwer ist, dies zu ak­zep­tie­ren, ist es nicht hilf­reich, in der Si­tua­ti­on Druck auf die Kin­der oder den an­de­ren El­tern­teil aus­zuü­ben. Statt­des­sen kann es am bes­ten sein, den Kin­dern Zeit zu ge­ben und sich erst ein­mal dar­auf zu kon­zen­trie­ren, das ei­ge­ne un­güns­ti­ge Ver­hal­ten mit fach­li­cher Hil­fe zu be­ar­bei­ten, be­vor man ver­sucht, Kon­tak­te all­mäh­lich wie­der an­zu­bah­nen. Las­sen Sie sich am bes­ten im Ju­gend­amt be­ra­ten, wel­ches Vor­ge­hen und wel­che fach­li­chen Hil­fen in Ih­rer Si­tua­ti­on ge­eig­net sind.

 

Quellen

Mehr zum The­ma

Hier fin­den Sie In­for­ma­tio­nen zu Quel­len der In­hal­te die­ser Sei­te.

Cle­mens, V., Ple­ner, P. L., Ka­ve­mann, B., Bräh­ler, E., Strauß, B. & Fe­gert, J. M [Jörg M.] (2019). Hä­us­li­che Ge­walt: Ein wich­ti­ger Ri­si­ko­fak­tor für Kin­des­miss­hand­lung. Zeit­schrift für Psych­ia­trie, Psy­cho­lo­gie und Psy­cho­the­ra­pie, 67(2), 92–99. htt­ps://doi.org/10.1024/1661-4747/a000377

Ga­la­no, M. M., Gro­gan-Kay­lor, A., Clark, H. M., Stein, S. F. & Gra­ham-Ber­mann, S. A. (2021). Ex­ami­ning the 8-Ye­ar Tra­jec­to­ry of Post­trau­ma­tic Stress Sym­ptoms in Child­ren Ex­po­sed to In­ti­ma­te Part­ner Vio­lence. Jour­nal of in­ter­per­so­nal vio­lence, 36(15-16), NP8454-NP8481. htt­ps://doi.org/10.1177/0886260519844280

Kind­ler, H. (2013). Part­ner­ge­walt und Be­ein­träch­ti­gun­gen kind­li­cher Ent­wick­lung: Ein ak­tua­li­sier­ter For­schungs­über­blick. In B. Ka­ve­mann & U. Kreys­sig (Hrsg.), Hand­buch Kin­der und hä­us­li­che Ge­walt (3. Aufl., S. 27–47). Sprin­ger Fach­me­di­en Wies­ba­den.

Mey­sen, T. & Loh­se, K. (2021). Um­gang in Fäl­len hä­us­li­cher Ge­walt. In Mey­sen, Tho­mas, SOCLES In­ter­na­tio­nal Cen­tre (Hrsg.), Kind­schafts­sa­chen und hä­us­li­che Ge­walt Um­gang: Um­gang, el­ter­li­che Sor­ge, Kin­des­wohl­ge­fähr­dung, Fa­mi­li­en­ver­fah­rens­recht (S. 18–45).

Rous­son, A. N., Ta­ji­ma, E. A., Her­ren­kohl, T. I. & Ca­sey, E. A. (2022). Pat­terns of In­ti­ma­te Part­ner Vio­lence and the Harsh Pa­ren­ting of Child­ren. Jour­nal of in­ter­per­so­nal vio­lence, 8862605221087242. htt­ps://doi.org/10.1177/08862605221087242

Vu, N. L., Jou­ri­les, E. N., Mc­Do­nald, R. & Ro­sen­field, D. (2016). Child­ren's ex­pos­ure to in­ti­ma­te part­ner vio­lence: A me­ta-ana­ly­sis of lon­gi­tu­di­nal as­so­cia­ti­ons with child ad­just­ment pro­blems. Cli­ni­cal psy­cho­lo­gy re­view, 46, 25–33. htt­ps://doi.org/10.1016/j.cpr.2016.04.003

Nich­ten­den­de  Kon­flik­te
Was kann man tun, wenn die Kon­flik­te mit dem an­de­ren El­tern­teil nicht en­den wol­len?

Set­zen sich Kon­flik­te nach der Tren­nung wei­ter­hin lan­ge Zeit fort, ist dies mit er­heb­li­chen emo­tio­na­len Be­las­tun­gen für die El­tern und die Kin­der ver­bun­den. Er­fah­ren Sie auf der fol­gen­den Sei­te, was Sie tun kön­nen, um einen Weg aus den Kon­flik­ten zu fin­den und wie Sie Ih­re Kin­der vor den Kon­flik­ten schüt­zen kön­nen.

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Be­glei­te­ter  Um­gang
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Manch­mal ist es sinn­voll, wenn nach der Tren­nung ei­ne neu­tra­le Per­son die Kon­tak­te zwi­schen ei­nem El­tern­teil und den Kin­dern zeit­wei­se be­glei­tet. Er­fah­ren Sie auf der fol­gen­den Sei­te, in wel­chen Si­tua­tio­nen ein be­glei­te­ter Um­gang sinn­voll sein kann, wie man einen be­glei­te­ten Um­gang ein­rich­tet und wie die Ter­mi­ne ab­lau­fen.

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